Mittwoch, 18. Januar 2017

Birk - Jaap Robben

BIRK – Jaap Robben
Gelesen am 1.-2.1.2017


Um mich selbst daran zu erinnern, wieso ich von 3 zu 4 Sternen gewechselt bin, während ich diese Rezension schrieb: Das Buch ist gut. Und es ist ein Meisterwerk in sich. Es hat definitiv klare Bilder erzeugt, Charaktere gehabt, die sehr durchdringend waren und einen nie und nimmer kalt lassen. Aber wenn ich über dieses Buch im Endeffekt nachdenke, fühle ich Schuld, Ekel, Mitleid, aber vor allen Dingen eine Abneigung zu den Menschen im Buch und der Geschichte. Da dieses Buch für mich nichts Positives hinterlassen hat, außer eine wertvolle Erfahrung mit Menschen, die durch schlimme Erfahrungen psychisch erkranken, Menschen, die einfach nur widerlich sind und Kinder, die unter alldem leiden müssen, kann ich nicht mehr als drei Sterne geben. Denn ich kann im Nachhinein nicht behaupten, dass mir das Buch gefallen hat. So gut der Autor auch das, was er sagen wollte, rübergebracht hat. Und das hat er wirklich!

In diesem Buch ertrinkt ein Familienvater. Der Sohn trägt die Schuld daran mit sich herum und dadurch, dass er sie trägt, wehrt er sich weder gegen die Ausbrüche seiner Mutter, die immer kränker im Kopf wird, sondern er vergisst darüberhinaus auch, dass er selbst ein Leben zu leben hat. Und dass er womöglich gut daran täte, das Haus seiner Mutter zu verlassen und dieses Leben, das er hat, zu nutzen.
Es ist schlimm, mit anzusehen, wie eine Familie derart zerfällt. Schlimm, zu sehen, wie Menschen sich verändern, wie stark Verluste eine menschliche Seele zerstören und zermartern können. Schlimm, mit anzusehen, wie ein Kind mit einer Schuld lebt, die ihm keiner nimmt.
Dieses Buch ist voll mit traurigen Szenen, die sich einem wirklich ins Hirn brennen und die man nicht so leicht vergessen kann.
Die Charaktere in diesem Buch habe ich gehasst, verachtet, und dennoch konnte man sie bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. So war man als Leser hin und hergerissen zwischen Verachtung und Mitleid. Doch kann ich nicht verleugnen, die Mutter der Hauptperson Mikael, verachtet zu haben. So leid mir das auch tut, wenn ich bedenke, was diese Frau verloren und durchgemacht hat, doch das hat auch ihr Sohn und diesen sollte sie beschützen, statt ihm diese Last und Schuld weiterhin aufzubürden und ihn in ständiger Form daran zu erinnern, dass sein Vater wegen ihm nicht mehr da ist. Es ist schrecklich, darüber zu lesen. Doch man wird von dieser Geschichte derart mitgezogen, ob man will oder nicht, dass es wie ein Folterstuhl ist. Man ist daran gefesselt und kann nicht weg, bis die Geschichte zu Ende ist.

Das ist das, was ich bei diesem Buch empfunden habe und nicht alles, was ich sage, meine ich schlecht. Dass ein Autor mir solche Emotionen und Gedanken entlocken KANN, zeugt für mich von größtem Talent. Nicht nur das Talent, Geschichten zu erfinden, sondern vor allem auch von dem Talent, Charaktere so echt und durchdringend machen, dass man sie förmlich neben sich spürt und dazu noch die Stimmung so gnadenlos und dicht rüberzubringen, dass es einem beim Lesen ganz komisch wird und man oftmals nach den Kapiteln eine Pause braucht.
Dieser Mann ist ein Naturtalent seines Fachs. Und dieses Buch hat mich teilweise fertig gemacht.

Und ich kann es zu lesen nur empfehlen, wenn man mit solcher schweren Thematik umgehen kann.

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