Freitag, 19. Mai 2017

Goat Mountain - Davin Vann

Goat Mountain ist ein Buch, für das man starke Nerven und einen guten Magen braucht. Es ist nicht unbedingt das Blutige, das einem die Übelkeit bringt, sondern diese absolut rohe Gewalt, die in diesem Buch herrscht und die einen immer wieder Erschaudern lässt.
Ich muss zugeben, dass ich ein paar kurze Kapitel übersprungen, bzw. quergelesen habe, als es um den Tod an einem Hirsch ging. Klar, wenn man weiß, worum es in dem Buch geht - um Hirschjagd - dann sollte man sich darauf einstellen, dass so was auch thematisiert wird, aber es ging nicht um die Jagd an sich, die mir zu viel wurde, sondern die Art und Weise, wie mit einem sterbenden Tier umgegangen wurde. Es war einfach abartig für mich und unfassbar, wie boshaft und gefühlskalt manche Menschen sein können und gerade bei Tieren hab ich da einfach ein großes Sensibilitätsproblem. (Wobei das für mich allerdings nicht als Problem sondern als Segen gilt!)
Doch der Rest des Buches ging mir ins Fleisch. Mitzubekommen, wie die tiefsten Abgründe menschlicher Seelen sind, dass es immer noch ein Stück tiefer und grausamer geht, war wirklich erschreckend. Es gibt Bücher, Filme und wahre Geschichten, da erlebt der Leser oder Zuschauer eine Art Faszination. Doch hier war es einfach nur so kalt und grausam, dass in mir keine noch so winzig kleine Faszination des Bösen überblieb oder überhaupt aufkam.
Dennoch ist nicht zu verleugnen, dass dieses Buch den Leser dadurch natürlich dennoch am Ball hält. Wenn man dem Menschen etwas vorsetzt, dass er nicht kennt oder vor dem er sich fürchtet, es jedoch aus der Ferne betrachten kann, wird er hinschauen wollen. Oft jedenfalls. Und so oder so ähnlich war es eben hier. So abstoßend es auch war, etwas von mir wollte wissen, wie es zu Ende geht. Wie die Menschen in diesem Buch sich jeweils während diesen 260 Seiten entwickelt haben, war deutlicher als sonst irgendetwas. Welch starke Persönlichkeiten hier handeln und wie unterschiedlich sie sind, obwohl sie alle eine große Gemeinsamkeit haben. Das Jagen. Doch wie die Moralvorstellung jedes Einzelnen waren, fand ich großartig geschildert.
Ich selbst fühlte mich, nach dem Tod des Mannes, den der kleine Junge in diesem Buch erschießt und keinerlei Mitgefühl oder Schuld in sich trägt, in diesem Buch gefangen. Ich war mit in diesem Wald, ich war mit in den Bergen und ich war zwischen dem gnadenlosen Großvater, dem kleinen Jungen, der nicht kapiert, was er getan hat und dem Vater, der verzweifelt versucht eine passable Lösung für alle zu finden, gefangen. Und ich fühlte mich erdrückt und eingeengt, verängstigt. Ich wusste nicht, was auf mich zukam und wie dies alles zu Ende gehen würde.
Ein grandioses Buch, das eigentlich mehr als drei Sterne - locker - verdient hätte. Doch da ich aus meinem eigenen Gefühl heraus bewerten muss, bleibt es bei drei Sternen, denn ich kann mit solcher Gewalt an Tieren, wie es hier der Fall war, nicht umgehen und trotz der absolut genialen Vorlage für ein Horrorfilm-Drehbuch, war es mir einfach nicht mitreißend genug geschrieben. So trocken, wie die Gefühlskälte der Menschen, so hitzig, wie die Situation zwischen den Leuten und so nüchtern, wie der Tod einer Kugel, die mitten ins Herz trifft.
Klingt immer noch nicht nach 'nur' drei Sterne, oder? Macht euch am Besten selbst ein Bild. Ich finde das Buch auf seine Art gut. Aber ich kann es nicht mit mir vereinbaren, auf eine solche Thematik Lobeshymnen zu schwingen. Dennoch etwas, das absolut tief unter die Haut geht! Für Leser die so etwa suchen, ist es genau das Richtige.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen