Montag, 19. Juni 2017

Der goldene Handschuh - Heinz Strunk

Wenn ich mit dieser Rezension fertig bin, werde ich wohl selbst nicht mehr ganz verstehen, warum das Buch von mir eigentlich vier Sterne bekommt. Vielleicht aber doch!
Kurzum sei gesagt: Wenn man dieses Buch als das nimmt, was es ist, nämlich ein Milieuroman, dann ist er grandios. Und das steht außer Zweifel, denn Strunk hat eine absolut kranke und verquere Psyche eines bereits in der Kindheit physisch und psychisch geschädigten Menschen aufgezeigt und uns mit diesem Buche nahegebracht. Schonungslos wie sonst kaum einer.
Wir begleiten den Serienmörder Fritz Honka, der tatsächlich existiert hat und in den Siebzigern seine Morde begangen hat. Milieutaten, wie man es nannte, denn viele Menschen waren wohl der Ansicht, dass es an der Tagesordnung oder zumindest beinahe normal war, in dieser Gesellschaftsschicht Morde zu begehen oder mal kurz den Verstand zu verlieren.
Wenn man dieses Buch liest, könnte man der selben Ansicht erliegen, denn das, was dort abgeht, ist wirklich unter aller Kanone und jeder, der in diesen Strom gerät, könnte wohl dazu fähig sein, jemanden umzubringen. Wahrscheinlich dann auch noch zugedröhnt wie sonst was.
Vom Stilistischen her, der sprachlichen Ebene, war die Figur des Fritz Honka unglaublich gut dargestellt. Gut im Sinne von 'passend' und 'authentisch', so schlimm das auch ist. Der Wahnsinn in ihm war greifbar, so greifbar, dass man wirklich Angst vor diesem Menschen bekam. Angst aber eher, weil man eben in diesem Buch auch die Gedanken von ihm mitbekommt und die waren nun wirklich mehr als krank.
Allgemein bestand das ganze Buch aus jeder Menge Perversitäten, Fäkalsprache, Kraftausdrücken, mehr als nur animalischen sexuellen Trieben, Gewalt und lauter abstoßenden, primitiven, ekligen und widerwärtigen Gedanken. Vor allem aber kranke Gedanken. So krank und abstoßend, dass ich mich kaum wage, etwas zu zitieren.
Aber man muss hier auf einiges gefasst sein und dieses Buch ist weder etwas für Kinder unter 18 noch etwas für zarte Gemüter. Man muss eine hingesaute, asoziale Sprache abkönnen und das hier unter diesen Umständen irgendwie noch als Kunst ansehen können.
Denn das Buch ist keinesfalls schlecht, im Gegenteil. Es ist ein Meisterwerk, wie authentisch Strunk hier ein, den meisten von uns fremdes Milieu, beschreibt. Deswegen auch die vier Sterne.
Es war abstoßend aber auch interessant. In einer Form fesselnd und gleichzeitig wieder kaum zu ertragen. (: Super, wenn ein Schriftsteller das hinbekommt.
In dem Wissen, dass Strunk auch Entertainer und Humorist ist, fand ich auch, dass das Buch eine amüsante Spur hatte. Doch das, was als lustig-überzogen klingt, ist wohl tatsächlich der wahre Alltag eines so tief gesunkenen Menschen, wie es sich hier in dieser Berliner Zone abspielt.

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