Sonntag, 14. August 2016

Bonjour Tristesse - Francoise Sagan

Titel: Bonjour Tristesse
Autor: Francoise Sagan
Verlag: Ullstein Verlag
Genre: Roman
Seitenzahl: 183 Seiten
Gebundene Ausgabe: 8,99€
Erscheinungsdatum: Mai 2005






Cecile fährt mit ihrem Vater und dessen Geliebten Elsa ans Meer, um dort die Ferien zu verbringen. Eines Tages taucht Anne auf, eine alte Freundin ihres Vaters, die Cecile schätzt, aber auch fürchtet.
Als Ceciles Vater Elsa mit Anne betrügt, schmiedet Cecile einen Plan. Denn Anne würde, wenn sie bliebe, das unbeschwerliche, leichtsinnige Leben von ihr und ihrem Vater zerstören und sie zu zivilisierten, erwachsen handelnden und denkenden Menschen machen. Was Cecile nicht zulassen möchte.


Das Buch ist in einem typisch altfranzösischen Stil geschrieben und wenn man den Film ‚Bonjour Sagan’ über die Autorin gesehen hat, wird man schnell einige Parallelen zu ihrem eigenen Leben bemerken. Sie trinkt gern viel, sie geht mit Menschen aus, die doppelt und dreifach so alt sind wie sie und redet ohne viel Verstand über die Liebe. Die Hauptperson Cecile hat diese Eigenschaften im Buch ebenfalls. Oft dachte ich, ich lese über die Autorin selbst und nicht über eine fiktive Person, aber das hat man ja auch oft, dass die Personen in Büchern Ähnlichkeiten mit den Autoren haben. Manche mehr und manche weniger.
Vom Stil her war es eher leicht geschrieben, mit vielen altertümlichen Wörtern, die ich nicht kannte, was mir einige Momente bescherte, in denen ich etwas dazulernen konnte.
Die Geschichte an sich hatte viel Ausdruck. Einen wirklichen Bezug konnte ich zu Cecile nicht aufbauen, da ich sie nicht gerade sympathisch fand, aber nachvollziehen konnte ich sie und ihren Vater schon. Ihre Lebensweise hat etwas Exzentrisches, etwas Künstlerisches, etwas Anziehendes. Menschen, die ihre innere Ruhe nur im Trubel finden. Menschen, die ihre Partner wechseln und Aufreißer sind, egal in welchem Alter. Menschen, die einfach genießen und nicht an die Zukunft denken. Es hat etwas Freies, Ungebundenes, was dieses Leben so reizvoll macht. Kein Wunder, dass Cecile es nicht unbedingt für ein stilles, vernünftiges Leben aufgeben will, auch wenn sie sich einerseits vielleicht sogar nach einem solchen Glück sehnen würde. Nach Vertrautheit, Geborgenheit, sinnvollen Zeitvertreiben und weiterem.

Die Charaktere in diesem Buch sind gut ausgearbeitet, gerade auch Anne nimmt einen großen Teil des Buches für sich in Anspruch, einfach, weil sie so eine undurchschaubare Person ist, hinter deren Geheimnis man zu kommen versucht. Sie ist anders, als andere und trägt Eigenschaften mit sich, die beneidenswert sind. Gleichzeitig ist sie aber auch leicht herrisch, obwohl sie so gleichgültig tut. Ihre Handlungen waren für mich etwas gegensätzlich und sie war für mich eine Person, die ich nicht mögen konnte, trotz dass Cecile oft von ihr schwärmte, obgleich sie versuchte, sie aus dem Haus zu kriegen und ihr zu schaden. Zwischen den beiden herrschte eine Art Hassliebe, die ich nicht ganz zu verstehen wusste, aber mich neugierig hat sein lassen, das ganze Buch über.

Im Grunde ging es in diesem Buch um Liebe, Treue, Untreue, verschiedene Lebensweisen, verschiedene Träume, Erziehung, verlorene Jugend, gelebte Jugend, aufrechterhaltene Jugend, Verstand, Gefühle, Intrigen und Verzweiflung.

Das Wort Tristesse trifft die Stimmung des Buches eigentlich sehr gut. Es wog immer eine gewisse Traurigkeit, etwas Bedrückendes zwischen den Zeilen mit und das Buch hüllte dich sanft aber unweigerlich damit ein.

Was die Autorin definitiv geschafft hat, war es die Atmosphäre aufzubauen. Dieses Buch lebt, wenn man es aufschlägt. Es lebt von den Erlebnissen, von den Gefühlen und den unerfüllten Wünschen der Protagonisten. Von der Stimmung her definitiv eines der besten Bücher, die ich bisher gelesen habe.

Von allem anderen her für mich nur mittelmäßig begeisternd, was aber nicht an der Qualität des Werkes lag, sondern einfach an meinem Geschmack. Dieses Buch war grandios in seiner Wirkung, aber es konnte mir nichts Positives geben, aber ein paar weitere Erfahrungen und Erkenntnisse im Thema Lieben, Leben und Leiden. Doch da es mir mehr Tristesse als irgendwas gebracht hat, vergebe ich wohlwollend gute drei Sterne, die mein Gefühl dem Buch gegenüber gut ausdrücken. Gespalten, traurig und widerstrebend.


Aufmachung: 3,5/5
Idee der Geschichte: 4/5
Umsetzung: 3/5
Sprache: 3/5
Unterhaltungswert: 3,5/5
Ideenreichtum: 4/5
Tiefgründigkeit: 3,5/5
Bildungswert: 3,5/5
Lesetempo: 4,5/5

Punktzahl insgesamt: 32,5/50