Montag, 19. September 2016

Traurig bin ich schon lange nicht mehr – Anne Berest

Traurig bin ich schon lange nicht mehr – Anne Berest






160 Seiten
29.08.2011
La fille de son père





Interessant, dass zu Anfang besagte Frau bereits nicht gerade sympathisch dargestellt wird. Desinteressiert und unberührt an dem Tod ihres Vaters und dem ihres schon vor längerer Zeit verstorbenen Ex-Freundes, wirkt sie morbide und zynisch. Genau deswegen ist sie aber wiederum für den Leser höchst interessant, denn er will wissen, wieso sie so kalt und gefühllos über das Ableben dieser Menschen spricht. Man möchte wissen, was vorgefallen ist.
Es kam mir während des Lesens auch nicht vor, als wären die Schwestern, um die es auch teilweise geht, alle schon über oder an die 30. Irgendwie schwang immer ein Stück Kindlichkeit mit hinein, der Schreibstil war typisch französisch, etwas leichtlebig, trotzig und mit einer gewissen Schwere versehen. Zumindest fühle ich mich sehr oft so, wenn ich französische Autoren oder Autorinnen lese. Ich empfinde meist eine sehr ähnliche Grundstimmung.

Was mich an diesem Buch überrascht hat, war das Ende, die Auflösung! Es war für mich grandios, selbst wenn es gar nicht mal so spektakulär war oder gar abwegig, denn in der Mitte des Buches weiß man, wo das hingeht, aber am Anfang, auf der allerersten Seite ist man über das Verhalten von der Hauptperson ein wenig schockiert, wie gesagt, weil sie so gefühlskalt ihrem Vater gegenüber ist. Und wenn man dann zu verstehen beginnt, was da passiert, ist es am Ende ein geniales kleines Puzzle.

Im Endeffekt war die Geschichte gut, unterhaltsam, mit einer mir bekannten Stimmung einiger französischer Autoren. Uneingeschränkt würde ich es wohl nicht empfehlen, aber Leuten, die gerne Geschichten fernab dem Mainstream lesen und offen sind für etwas anderes.

Trotz der Kürze des Romans, bin ich dem ganzen sehr positiv zugewandt und bin froh, ihn gelesen zu haben. Ob er mir etwas geben konnte, weiß ich nicht genau, wahrscheinlich eher nicht, aber ich habe das Gefühl, dass es gut war, ihn zu lesen. Es ist schön die Geschichte zu kennen.

Und ja, tatsächlich gab es in diesem Buch auch Sätze oder ganze Passagen, die ich markiert habe und die für mich bedeutend klangen oder eher etwas weise. So was mag ich und genau deswegen lese ich Bücher. Von daher kann es natürlich doch sein, dass mir am Ende noch etwas von dem Buch bleibt, auch nach längerer Zeit.

Dienstag, 13. September 2016

Ein Jahr in Paris

Dieses Buch war enttäuschend. Ich sage es gleich vorweg, denn ich möchte mich nicht lange damit aufhalten. Es tut mir leid, das sagen zu müssen, aber ich habe selten etwas gelesen, was so fernab vom Schuss ist. Es soll hier um Paris gehen und ich dachte, wenn ich ein solches Buch lese, dann werde ich das kriegen, was ich will: Eine Einsicht in das Pariser Leben, in die Welt der Franzosen, die Eigenarten, das Lebensgefühl dieser Menschen und dieser großen, wunderschönen Stadt. Ich dachte, ich käme Paris durch dieses Buch noch etwas näher, würde ein wenig Insiderwissen erfahren und eben eine richtige kleine Reise damit machen und dabei auch noch etwas lernen, was nur jemand weiß, der wirklich dort lebt oder gelebt hat. 
Aber Pustekuchen. Im Grunde habe ich nur erfahren, dass Männer in Dessoushops einkaufen gehen, dass ein Boiler kaputtging und so weiter. Belanglose Dinge, die alltäglicher und langweiliger nicht sein könnten. 
Viele Seiten musste ich querlesen, weil es mir einfach irgendwann zuwider war, mit einem Buch derartig meine Zeit zu verschwenden. Viel schlauer als vorher bin ich dadurch nicht geworden, nur um ein paar Stunden ärmer. 
Es gab durchaus mal ein wenig Wissenswertes nach den einzelnen Kapiteln zu erfahren, aber das reißt jetzt weder den Inhalt, noch den Preis dieses Buches wieder raus. Im Grunde ist es nicht zu empfehlen und da gibt es sicherlich viele Werke, die besser dafür geeignet sind, einen Blick hinter die Kulissen der französischen Hauptstadt zu werfen. Hier wirft man leider nur einen Blick in den Alltag einer Dame, die auch hätte überall anders auf der Welt leben können, da ihre Erzählungen im Grunde selten was mit Frankreich zu tun hatten. Schade.
Zum Schluss möchte ich noch anmerken, dass das Buch auch ziemlich mit Klischees um sich schmeißt. Manche mögen ja stimmen, andere hingegen nicht. 
Beispielsweise sagt die Autorin, dass französische Frauen sich lieber eine Blasenentzündung holen, als geeignetes Schuhwerk zu tragen. 
Ich persönlich habe aber auch bereits gelesen, dass französische Frauen prinzipiell keine hohen Absätze tragen (gerade die Pariserinnen), da es für sie ein Unding ist, darin zu stolpern oder in Pflastersteinen hängen zu bleiben oder Ähnliches. 
Das waren dann Momente, wo ich mir dachte: Da kann man wohl nur seine eigenen Erfahrungen machen und ich persönlich stehe da eher auf der Seite der zweiten Aussage, denn die meisten französischen Frauen haben wirklich sehr viel Stil und Chic, aber das eben ohne meterhohe Absätze. Die wissen, was wahre Klasse bedeutet. Nicht alle, ich kenne auch andere Französinnen, aber die meisten, die ich sah oder kennenlernte, waren stilvoll, schlicht und elegant.

Da dieses Buch mich leider nicht überzeugt hat, kann ich es auch nicht uneingeschränkt weiterempfehlen, aber werft gerne unbefangen einen Blick in die Leseprobe. Der Schreibstil beginnt leicht und lustig, was mir zu Anfang auch noch sehr gefallen hat, aber sobald die Dame in Kapitel 3, glaube ich, eine Wohnung hatte, wurde es leider stinklangweilig und gar nicht mehr so französisch.

Daher keine Empfehlung von mir.



Montag, 5. September 2016

Arnes Nachlass - Siegfried Lenz

Die Geschichte eines Jungen, der dem Leben nicht standhält.

Eine berührende Geschichte über Arne, der nach dem Tod seines Vaters zu dessen Freund in die Familie kommt und dort ein neues Leben beginnt. Der Junge findet in dem ältesten Sohn Hans einen Freund, doch die jüngeren Kinder Wiebke und Lars akzeptieren ihn nicht wirklich und wollen ihn und Hans nicht dabeihaben.
Arne ist anders und manchmal etwas seltsam, aber herzensgut und zu weich im Innern, als dass er alle Dinge, die ihm widerfahren heil überstehen könnte. Er hatte Kraft und zeigte sie auch, aber für alles reichte sie nicht.
Arne ist mir während des Lesens sehr ans Herz gewachsen, aber auch Hans werde ich in guter Erinnerung behalten, da er diese Geschichte erzählt hat. Emotional, aber nicht kitschig, mit schöner Sprache, schönem Gefühl und einem Gleichklang, der nicht langweilig war, sondern anziehend. Es ging im gleichen Rhythmus immer weiter vorwärts und dabei schwebte man durch den Text, aber auf einer dunklen Wolke, aus der es immer wieder zu regnen drohte.

Insgesamt also ein stimmungsvoller Text, eine schöne, anrührende Geschichte, die ich den meisten empfehlen würde, weil sie einfach sehr lesenswert ist und sicher für jeden eine Aussage bereithält.

Eben ein Buch, das vom Leben erzählt. Von Hoffnungen und Wünschen, von Träumen und Ängsten, von Verlust und Gewinn, von Freundschaften und Verrat, von Liebe und Familie.

Von Herzen von mir empfohlen!!


Persönliche Anmerkungen:

Interessanter Stil. Der Autor erzählt aus der Ich-Perspektive von Hans, dem ältesten Sohn der Familie. Dieser spricht Hans ab und an persönlich an, erzählt aber ansonsten in der Er-Form von ihm. Zuerst war das für mich etwas irritierend, aber dann fand ich es recht angenehm und ein schöner Aspekt im Text, der auch ausdrückt, was Arne Hans bedeutet hat.

Was weniger gut für mich persönlich ist, dass das Buch keine Kapitel hat. Es fließt einfach so durch, diese 206 Seiten. Das ist beim Unterbrechen immer etwas schwierig. Es gibt keine gesetzten Pausen und somit vergesse ich häufig, was vorher war, wenn ich mitten im Absatz praktisch aufhören muss.

Immer montags beste Freunde - Laura Schroff

Dieses Buch ist eine Erzählung, eine Art Autobiographie. Die Hauptperson erzählt über das Leben von Maurice, einem armen Jungen, der - hätte er sie nicht kennengelernt - sicher auf den falschen Weg gekommen wäre. Er fragt sie nach Kleingeld, sie hält zuerst nicht an, geht aber dann doch zurück und lädt den kleinen Jungen ins McDonalds ein. Fortan jeden Montag. 
Gleichzeitig erzählt sie ihre eigene Lebensgeschichte. Man bemerkt, dass arm wie reich Probleme haben und es nicht oft einen riesengroßen Unterschied macht, wie die Menschen drauf sind. Das Geld, das man besitzt entscheidet eben nicht immer über den Charakter. Misshandlung, Drogen und alles Mögliche stehen in jeder Gesellschaftsschicht heutzutage an der Tagesordnung und man kann nicht mehr tun, als zu schauen, dass man auf dem rechten Weg bleibt und das Beste aus seinem Leben macht. 
Maurice konnte es dank ihr und diese Geschichte einer besonderen Freundschaft kann einem wirklich ans Herz gehen. So richtig berührt hat sie mich persönlich nicht, aber ich fand sie dennoch sehr schön und auch das Hörbuch ist gut gesprochen. 
Die Geschichte hat einen schönen Lernaspekt und viele Dinge, über die man nachdenken kann.