Montag, 27. Februar 2017

Das Frostmädchen - Stefanie Lasthaus

Diese Geschichte hatte einige Erwartungen geweckt, die sie leider nicht erfüllen konnte. Teilweise eine schöne Sprache, die Autorin beschreibt unglaublich viel, doch leider blieb dabei die Handlung sehr auf der Strecke. Es passiert nicht viel und wenn, dann manchmal dasselbe. Zudem hatte ich dann die Verbindung zur Hauptperson verloren, weil mich irgendwann einfach nicht mehr interessiert hat, was ihr passiert. Die Geschichte zog sich gerade im Mittelteil unglaublich in die Länge.
Ich hätte mir auch einiges mehr an Fantasyelementen erwartet. Das einzige, was ich letztendlich geboten bekam, war eine lange und detailreiche Beschreibung einer winterlichen Umgebung. Schön. Aber das war nicht das, was ich wollte. Zudem gab es Szenen, die irgendwie falsch eingebaut waren. Schwer zu sagen, ob die Geschichte an sich Potenzial hatte... höchstwahrscheinlich schon. Aber wirklich genutzt wurde es leider nicht. Sehr ruhig, sehr langweilig, sehr unspektakulär. Schade.

Sonne, Mond und Sterne - Mario Alberto Zambrano

Mit Spielkarten zu einem Leben. In diesem Buch werden Erinnerungen zu jeweils einer Spielkarte aufgeschrieben, was eine sehr interessante und neue Methode für mich war, eine Geschichte zu erzählen. Dazu war sie emotional doch sehr berührend und erzählt von einem Kind, was einen als Leser natürlich doppelt mitfühlen lässt, wenn man in die Gefühlswelt dessen so sehr eintauchen kann. Wir lernen die Familie kennen, sind dabei wenn jemand gewalttätig wird, wenn es ein Fest gibt, es gibt gute Momente und schlechte Momente und so fühlt man sich mittendrin und natürlich kann man aus vielen Situationen etwas für sich herausziehen oder sich gut damit identifizieren, denn letztendlich hat doch jede Familie so ihre Problemchen. Die einen größere, die andere kleinere, aber kennen tun wir sie alle. Gerne verschließen wir uns aber davor, doch ein Kind lügt nicht. Ein Kind sagt, wenn es kann und sich traut, die Wahrheit und hier in diesem Buch erfahren wir sie.
Für mich ein sehr gutes Buch. Mit dem Schreibstil musste ich erst warm werden, aber der Autor konnte das kindliche Denken und Fühlen darin gut umsetzen, was mir dann letztendlich doch gut gefallen hat!

Die Mutter einer Mutter - Sabine Rennefanz

Dieses Buch erzählt vom Krieg und von der Zeit danach und konnte mich mit einer schönen Sprache relativ gut fesseln. Womöglich eine sehr wichtige Geschichte für die Generation, die den Krieg nicht mehr miterlebt hat, aber die Nachwirkungen davon vielleicht in dem ein oder anderen Familienmitglied noch spürt oder erkennt.
Man lernt die Hauptperson in der Geschichte gut kennen und auch sehr innig, das ganze Gefühlsleben wird vor dem Leser ausgebreitet, ein Detail, welches ich in Büchern unglaublich zu schätzen weiß. Das bringt mich dem Menschen, über den ich lese, einfach viel näher und ich kann mich sehr gut hineinversetzen.
Ingesamt war es für mich ein schönes Buch, das ich gerne gelesen habe und das in manchen Hinblicken sicher noch nachwirken wird. Vor allem aber der Stil hatte es mir angetan und die Möglichkeit einmal in eine Familie dieser Zeit einzutauchen.

Freitag, 24. Februar 2017

Meine erste Lüge - Marina Mander

In diesem Buch geht es um einen Jungen, der keinen Vater mehr hat und als Halbwaise mit seiner des Lebens müden Mutter zusammenlebt. Eines Tages kommt es dazu, dass die Mutter nicht mehr aufwacht und der Junge verheimlicht ihren Tod, weil er unter gar keinen Umständen in ein Heim will. So lebt er fortan mit seinem Kater Blu zusammen und versucht den Alltag wie ein Erwachsener zu meistern und natürlich ohne die erste große Lüge seines Lebens auffliegen zu lassen.

Das Buch hat mir ganz gut gefallen. Da die Geschichte ziemlich kurz ist und von der Handlung her kaum etwas Interessantes aufweist, hat es für mich nicht für mehr als drei Sterne gereicht, aber dennoch war es ein gutes Buch mit einer spannenden Thematik, die in einer sehr freundlichen Form umgesetzt wurde, denn das Buch ist weder melodramatisch noch deprimierend. Es ist aus der Sicht des Kindes geschrieben, dem die Schnauze gewachsen ist, wie sie eben wächst und das auch so spricht. Schöner Weise ist es aber auch sehr poetisch geschrieben und die Autorin bedarf sich einigen wundervollen Metaphern sowie Vergleichen, die mir gänzlich neu waren und mir somit unglaublich gut gefallen haben.
Insgesamt war es also für mich definitiv der Erzählstil, der mich durch diese Geschichte getragen hat und das ist keinesfalls schlimm. Erzählen kann die Autorin, wenn es auch nicht so richtig spannend ist, so ist es doch relativ poetisch und tiefgründig.
Man hätte durchaus aber auch mehr aus diesem Buch, der Idee und eben dieser Thematik herausholen und machen können. Letztendlich war die Geschichte nett, aber wirklich tief ging sie am Ende leider nicht. Dennoch habe ich den Kleinen, sowie seinen Kater Blu, ziemlich schnell ins Herz geschlossen.

Montag, 20. Februar 2017

Schattenfuch - Sjòn

Irgendwie... hab ich dieses Buch nicht verstanden. Oder ich hatte mir einfach schlichtweg durch den Klappentext etwas völlig anderes erwartet. Wie war das noch mal? Jemand findet ein verwahrlostes Mädchen und sie wird das Beste, was ihm je passiert ist? Ja, ok... was haben dann die anderen beiden Handlungsstränge damit groß zu tun? Obwohl das Buch sehr kurz ist, blieben mir nur drei Dinge bisher im Kopf: Die Jagd im tiefen Schnee auf einen Fuchs, Abba - das Mädchen, das etwas anders ist, die aber im Grunde gar nicht so groß thematisiert wird, und ein Priester.
Soweit so gut. Aber um ehrlich zu sein: Dieses Buch konnte mir so gar nichts mitteilen. Mag sein, dass ich für diese Art Prosa nicht gemacht bin, an dem Kernpunkt der Geschichte vorbeigeschlittert bin oder ihn einfach nicht ganz verstehe... ändert aber nichts an meiner Meinung. Ich weiß nicht, was dieses Buch mir sagen wollte und daher bin ich davon enttäuscht. Ich hätte mir eine gänzlich andere Geschichte versprochen und war dem Buch angetan, durch den Klappentext, auf dem mir eine Geschichte über ein Mädchen versprochen wird. Doch leider hatte ich mehr Fuchs und Schnee und Jagd und Gott und Priester als Mädchen... Der Sinn des Ganzen erschloss sich mir leider nicht ganz. Etwas peinlich... aber da bin ich ehrlich zu mir selbst und anderen. Ich hab's nicht kapiert... :D

Samstag, 18. Februar 2017

Cujo - Stephen King

Wie haben mich die letzten 100 Seiten dieses Buches fertig gemacht! In den Bann gezogen. Ich hatte einen Adrenalinschub nach dem anderen. Wahnsinn.
Diese Geschichte geht unter die Haut. Stephen King hat dichte Charaktere erschaffen, dichte Atmosphäre und hat es geschafft, mich zu schockieren und mich mit Menschen mitfiebern und mitfühlen zu lassen. Es war ein wahres Erlebnis, dieses Buch zu lesen und für Fans dieses Genres oder auch von Stephen King, die das Buch noch nicht kennen, ist es eigentlich ein Muss, nehme ich an.
Für mich nach 'Carrie' auf jeden Fall ein weiteres Highlight, was mich davon überzeugt, nichts falsch gemacht zu haben, als ich mir im letzten Monat ungefähr fünfzehn Bücher des Autors auf einen Schlag gekauft habe, mit einer Mission. Denn früher hat mir der Schreibstil von King nicht gefallen. Heute kann ich sagen: Es war eine gute Entscheidung. Cujo war schmerzhaft zu lesen, für die Seele, den Körper und den Geist, aber gleichzeitig eine Geschichte wie mitten aus dem Leben gegriffen. Vielleicht nicht gerade alltäglich, aber mit so alltäglichen Menschen, das man diese Geschichte tatsächlich genauso für möglich hält. Wahnsinn. Ich bin immer noch ganz aufgewühlt und schreibe diese Rezension direkt nach dem Lesen der letzten Seite. Mein Körper steht immer noch unter Strom! Ich kann nur sagen: Lest dieses Buch, wenn ihr es noch nicht kennt.
Ich für meinen Teil... brauche noch einen Moment, um es zu verdauen, dann werde ich mir den Film dazu ansehen. Und anschließend dürft ihr diese Meinung dazu dann auch in Verbindung zur Rezension auf meinem Youtubekanal 'TheSarahStory' ansehen, wenn ihr mögt. (:

Freitag, 17. Februar 2017

Göttin und Held - Gustaaf Peek

Göttin und Held - ein Titel, der mich sehr angesprochen hat und von dem ich mir eine Art der Liebesgeschichte erwartet habe, die mir eventuell besser gefallen könnte, als diese Young Adult Bücher, in denen es immer um dasselbe geht.
Leider war dem nicht so. Es war zwar im Großen und Ganzen nicht ganz schlecht, es gab sogar Sätze, die ich in diesem Buch sehr schön formuliert fand und auch im Allgemeinen fand ich den Schreibstil zwar etwas ungewöhnlich ab und an, aber doch sehr leichtfüßig und gleichzeitig tiefer als gedacht. Das Problem war nur, dass die Geschichte rückwärts erzählt wird und - okay, diese Erzählform ist eigentlich nicht das Problem, denn das ist ja mitunter auch mal ganz spannend, wenn auch ich eher der Fan davon bin, das Ende nicht zu kennen. Das eigentliche Problem lag darin, dass man nie wusste, wer gerade spricht und wem die Gedanken eigentlich gehörten. Die Dialoge in dem Buch wurden einfach untereinandergeklatscht ohne in irgendeiner Form gekennzeichnet zu werden. Hin und wieder konnte man sich natürlich etwas hinzureimen, aber Spaß macht das jetzt nicht wirklich. Von einem Unterhaltungsroman erwarte ich mir dann eigentlich ein Buch, bei dem ich nicht groß nachdenken muss. Für so etwas lese ich dann Kafka oder Ähnliches. (: Schade eigentlich, denn die Geschichte hatte an sich Potenzial, sie hätte nur ein wenig anders erzählt und formuliert werden müssen. Auch die Grundstory an sich hat mir gefallen, aber leider konnte sonst nicht viel zu mir durchdringen.

Mittwoch, 15. Februar 2017

Die Vegetarierin - Han Kang

Dieses Buch ist relativ schwer zu bewerten. Die Geschichte hat einen typisch asiatischen Touch, dazu etwas surreal, dazu aber in den meisten Punkten realistischer als sonst etwas.
Der Titel dieses Buches ist etwas irreführend. Die Hauptperson dieses Buches ist Veganerin, da sie wirklich auf alle tierischen Produkte verzichtet. In ihrer Familie wird dies nicht geduldet. Die Geschichte spiel in Korea, dort herrschen andere Ansichten was die Freiheit des einzelnen Menschen betrifft und daher ist das Thema Vegetarismus und Veganismus ein ganz anderes als hier zulande. Hinzu kommt eine Vergangenheit, die die Hauptperson im späteren Leben beeinflusst.
Sie hat Träume, sagt sie immerzu, wenn man sie fragt, warum sie aufhört, Fleisch zu essen. Nach und nach kommt man dem Ganzen auf die Spur, muss sich aber während des Lesens auch einiges selbst erschließen. Man merkt ziemlich schnell, dass diese Frau nicht aus einem Trend heraus aufhört Fleisch zu essen oder wegen der Gesundheit, sondern aufgrund einer psychischen Belastung oder gar Erkrankung, um mal nicht zu viel vorwegzunehmen.
Was in diesem Bucht teilweise passiert, ist mehr als grausam und erschreckend und tat beim Lesen richtig weh. Zudem kam man manchen Dingen erst Stück für Stück auf die Spur und am Ende war das Bild dann so ziemlich komplett.
Insgesamt ist es eine wirklich andere Geschichte. Nie zuvor habe ich etwas Vergleichbares gelesen und denke auch, dass das in Zukunft nicht so bald wieder passieren wird. Das Buch ist etwas für Menschen, die gern über Dinge nachdenken, die gern tiefer blicken, sich mit der Psyche auseinandersetzen wollen. Es ist auch nicht immer etwas für die zartesten Gemüter, da krasse Szenen schon sehr hart und schonungslos beschrieben werden. Wenn es in diesem Buch teilweise um Alpträume geht, dann würde es mich nicht wundern, wenn man nach dem Lesen der Lektüre auch mal einen hat. Rundum kann man sagen, dass dieses Buch sehr viel versteckt hält, was diese harmlose Hülle niemals erahnen ließe. Ebenso der Titel.
Ich möchte euch auch gar nicht mehr verraten als das, was ich bisher gesagt habe, denn alles andere solltet ihr selbst entdecken. Für mich war es eine Reise in Abgründe, Sehnsüchte, Ängste, Träume und Alpträume und eine Reise in ein fernes Land mit noch fernerer und fremder Kultur, die sich mit meiner nicht gut vereinbaren lässt.
Es ist auch kein fröhliches Buch, absolut nicht, eher eines, das einen ziemlich runterzieht mit der Zeit und leicht depressiv wirkt. Gleichermaßen ist es aber auch wie ein Sog. Man muss wissen, was passieren wird. Entdeckt es selbst. Es wird nicht für jeden etwas sein. Aber seid einfach mal mutig.

Montag, 13. Februar 2017

Hallo, Mister Gott, hier spricht Anna - Fynn

Anna ist wirklich ein unglaublich tolles, kleines Mädchen und so viel schlauer als die meisten Erwachsene es je sein könnten. Es war ein Highlight, dieser Maus beim Leben und Entdecken zuzuschauen und Fynn, ihren Ziehvater zu verfolgen.
Schade ist - was man von Anfang an weiß, dass Anna nicht alt wird und das sie nur ganze zwei Jahre, glaube ich, bei Fynn lebt. Sie stirbt also sehr jung.
Es ist kein allzu trauriges Buch, da man von vornherein das Ende kennt, allerdings musste ich mir dennoch am Schluss ein Tränchen verkneifen, da es wirklich ein 'schönes' Ende war. Toll beschrieben und mit einer wunderbaren Anekdote, die zum Buch passt. Wundervoll!
Die kleine Anna stellt unglaublich viele Fragen und stellt damit das Weltbild von Fynn und ihrer Umgebung gehörig auf den Kopf. Sie ist mit Mister Gott sehr verbunden und sieht in allem etwas Wunderbares. Sie entdeckt die Welt mit Kinderaugen, aber eben auch mit Augen, die viel tiefer als diese blicken. Sie sieht mehr, als jeder andere sieht und vielleicht auch mehr als man selbst je gesehen hat. Von der kleinen Anna kann jeder noch etwas lernen und auch, wenn man mit Gott und dem Christentum so gar nichts am Hut hat, wie ich beinah, dann kann man dieses Buch trotzdem lieben! Ich habe es getan und werde Anna und ihre vielen Fragen und Theorien und ihre eigene Philosophie in schönster Erinnerung behalten. Ein Buch, das man verschenken sollte, selbst lesen und stark verinnerlichen sollte. (: Ein schönes Vergnügen mit wenigen Seiten aber umso mehr Inhalt. Ob er auch nachhaltig ist, kann ich jetzt natürlich nicht beantworten, aber für den Moment war es schön und ich habe durch Anna wieder eine kindliche Lebensfreude gespürt und das tat meinem Herz sehr gut! Es war so schön ihr durch die Welt zu folgen und aus ihren Augen zu sehen. Zudem mochte ich auch Fynn sehr gerne, der die Geschichte erzählt. Bitte lest es!!
Und lasst es von dem Gott nicht zu sehr abschrecken, eigentlich spielt die Welt und wie sie läuft, sehr viel mehr eine Rolle als die Religion. Die auch, aber in einer sehr angenehmen und schönen Form. Und das sagt jemand, der damit nicht viel zu tun hat. (: Wagt euch. Es lohnt sich.

PS: Fynn und Anna haben wirklich gelebt. Fynn hieß eigentlich anders und war ein Mathematiker aus Irland.

Snowheart - Olivia Mikula (alias Andreas Dutter)

Also... vorneweg muss ich ja sagen, dass solche Jugendfantasy echt nicht mein Ding ist. Es gab schon immer sehr wenige Bücher, die mir da zugesagt haben und die ich überhaupt lesen wollte - und noch weniger, die mir am Ende gefallen haben.
Daher bin ich trotz Vorfreude relativ skeptisch an dieses Werk gegangen. Dem Genre entsprechend hat es mich auch nicht umgehauen, aber - und das aber ist groß - es gibt so unendlich viel, was ich positiv anmerken kann, dass es dann doch mindestens vier Sterne sein mussten.
Der Humor in diesem Buch war klasse. Dieser hat allein schon meinen Geschmack getroffen und wenn man die Autorin/den Autoren (man weiß ja, oder auch nicht...) ein wenig kennt, findet man ihn selbst auch in diesem Humor und an den amüsanten Stellen absolut wieder. Das mochte ich sehr.
Was ich auch sehr gut fand, war, dass das Buch wirklich spannend ist. Wie in den meisten Jugendbüchern werden auch hier einige - aber sehr wenige - Klischees bedient, aber es ist dennoch anders, setzt sich von der Masse ab, da wirklich immer etwas passiert. Es ist rasant, man weiß nie, was noch alles auf einen zukommt und die Liebesgeschichte, die in diesem Buch mit eine Rolle spielt, war für mich schön zu entdecken, aber nicht kitschig und auch nicht übertrieben.
Zudem war natürliche die Tatsache, dass es um Schneefrauen und !!! um Nekromanten geht. Ich fand diese Idee unglaublich toll. Es war mal etwas Neues, nicht so abgenutzt wie die meisten anderen Themen und Wesen der Fantastik. Super.
Die Titelüberschriften sowie die Gesamtaufmachung des Buches waren auch genial, weswegen das Lesen doppelt so viel Spaß machte. Insgesamt also nicht nur eine gute Arbeit vom Autor/von der Autorin, sondern auch vom Drachenmondverlag. Von mir eine Empfehlung.
Eine tolle Story, jede Menge Action und eine wohlerdachte Liebesgeschichte. (:

Donnerstag, 9. Februar 2017

Widerrechtliche Inbesitznahme - Lena Andersson

Dieses Buch ist mehr eine Charakterstudie oder eine Gesellschaftsstudie, als ein Roman im eigentlichen Sinne, aber genau das macht es so besonders.
Kurzum geht es in diesem Buch um die Liebe, genauer noch um das unglückliche Verliebtsein. Ein Verliebtsein, das nicht erwidert wird, das uns zum Sklaven der eigenen Gefühle macht, das uns den Verstand raubt und uns zum Affen macht, vielleicht sogar zur Marionette.
Die Autorin hat es mit diesem Buch geschafft, mich trotz der Fehlhandlungen Esters, der Hauptperson, immer am Ball zu halten. Und das aus gutem Grund: Denn Ester war keineswegs dumm oder naiv, ganz im Gegenteil. Sie war ein sehr starker, weiblicher Charakter, doch merkte man, wie sie diese Stärke und Unabhängigkeit Stück für Stück immer mehr verlor, je länger sie diesem Künstler Hugo nachrannte, der sie immer auf Distanz hielt. Mal machte er ihr schöne Augen und sie hegte Hoffnung, dann meldete er sich wieder wochenlang nicht oder sagte etwas, das ihr wehtat. So ging das immer weiter und hin und her und wenn man es böswillig sagen möchte, ähnelte es einem New Adult Roman, in dem sich ein naives Mädchen von einem Kerl abhängig macht, der sie nicht einmal haben möchte, ihren Stolz verliert und sich zum Clown macht, alles dafür tun würde, nur, damit er sie zurückliebt. Doch da Ester nicht dumm ist und sie ihre eigenen Fehler analysiert und auch erkennt, machte es interessant. Man spürte, dass sie eine clevere Frau und eine von hoher Intelligenz war. Und das zeigte dem Leser, dass man jegliche Intelligenz verliert, wenn man sich verliebt. Und wem von uns ist das nicht auch schon mal passiert?
Wer war nicht schon mal in jemanden verliebt, der einen nicht haben wollte und hätte alles getan, um ihn zu bekommen? Wer hatte nicht schon einst im Leben das Gefühl: Für mich gibt es nur diesen einen Mann und wenn er nicht da ist, ist mein Leben so leer.
Alles Schwachsinn, aber in dem Moment, in dem man so fühlt, ist es mehr als real. Es fühlt sich schrecklich an und die Autorin zeigt uns durch Ester, wie es ist und sie lehrt uns durch die Fehler von ihr, was wir selbst vielleicht falschgemacht haben und wieso wir so gehandelt haben.
Ester war ein Charakter, in den sich jeder reinversetzen kann und doch musste ich des Öfteren über sie die Augen verdrehen. Aber dann dachte ich nach und ... verdrehte die Augen zur gleichen Zeit auch über mich selbst, da ich irgendwann einmal genauso dastand und genau das gleiche getan habe. Und am Ende war man noch trauriger. Meistens.
Hugo konnte ich im Übrigen nicht leiden und habe auch immer noch kein wirkliches Verständnis dafür, wieso sie diesen Kerl so unbedingt haben wollte. Für mich hatte er nichts an sich, was man hätte mögen können. Außer vielleicht den Aspekt, das er ein berühmter Künstler war.
Hugo lernen wir in dem Buch ebenso gut kennen wie Ester, zumindest erfahren wir sehr viel, was Ester über ihn denkt und das auf ehrliche Weise, Gedanken, die vielleicht aus Frust entstanden waren, die aber dennoch genau Hugos eigentliches Wesen zu beschreiben schienen.
Im Grunde genommen begleitet man Ester durch ihr relativ stilvolles Leiden.
Sie ist intellektuell, eine Dichterin, arbeitet auch mal für die Presse und ist sehr gebildet und doch ... vor der Liebe ist niemand sicher. Wenn sie dich packt, packt sie dich, und dann bist du verletzlich und abhängig wie ein Kind. Erschreckend ehrlich zeigt dieses Buch uns die innersten Empfindungen auf, die wir kennen und vor denen wir uns fürchten. Egal, wie alt wir sind.
Eigentlich grandios, aber auch recht deprimierend. Nichts für zwischendurch, eine Lektüre zum Nachdenken mit teilweise sehr anspruchsvollen Dialogen, was ich sehr mochte.

Mittwoch, 8. Februar 2017

Der Bär und das Wörterglitzern - Agnès de Lestrade

Dieses kleine, wundervolle Bilderbuch mit wenig Text, hat mehr ausgesagt, als manches Buch mit 300 Seiten. In weniger als drei oder vier Minuten ist man durch, aber auf jeder der Seiten spürt man etwas. Es werden einem durch diese Bilder und die paar wenigen, aber gut getroffenen Worte, Emotionen entlockt, dass es mich umhaut. Die Mundwinkel gehen nach oben, auf der nächsten Seite betroffen nach unten, nur um auf der nächsten Seite die Augen groß werden zu lassen. Dieses Buch spricht vom Neuanfang und vom Mut, Neues zu wagen, weiterzublicken, auszuprobieren, 'über den Rand zu blicken' und auch mal drüberzuspringen. Einfach zu sehen, was einen erwartet. Und es handelt davon, dass der Mut etwas zu wagen, auch oftmals mit etwas Schönem belohnt wird.
Und das alles auf so wenigen Seiten.
Die Bilder sind unfassbar schön und sie haben einen ganz eigenen Zeichenstil, den ich sehr gerne mochte. Mit größter Sicherheit werde ich dieses Buch noch einige Male öfters durchblättern und diese Dinge, die es hergibt, in mich aufsaugen. Es einfach nur genießen. Es war wundervoll. Eine schöne kleine Erfahrung, die vielleicht nicht ewig nachhängt, aber die schön war und die man immer wieder erleben kann, innerhalb weniger Minuten. (:
Ein wunderbares Bilderbuch für Erwachsene - und vielleicht auch für Kinder, wenn auch nicht für die ganz Jungen, meiner Meinung nach.

Freitag, 3. Februar 2017

Salz für die See - Ruta Sepetys

Warum ich 'Salz für die See' fünf Sterne gebe, möchte ich kurz begründen, denn eigentlich hätte ich nur vier vergeben. Es ist so, dass dieses Buch mich nicht vollkommen begeistert oder vom Hocker gerissen hat. Es hat mich durchaus an manchen Stellen berührt, an zwei Stellen hatte ich auch einen Kloß im Hals, der beide Male beinahe zu feuchten Augen geführt hätte, und viele Szenen waren in dieser Geschichte enthalten, die einen entweder den Kopf schütteln oder den Mund entgeistert offen stehen ließen.
Allerdings war mir die Sprache in diesem Buch dann beinahe zu einfach. Zu schlicht. Man möge sich denken, im Krieg gibt es keine Zeit für schwere Sprache, aber mir hat sie dennoch gefehlt. Nicht unbedingt eine schwere Sprache, auch nicht lebendig und mit tausend Adjektiven versehen - nein. Nur einfach härter, tosender an manchen Stellen, durchdringender, intensiver. Für mich war der Stil zu lasch und somit konnte das Buch mich nicht in solcher Intensität mitreißen, als es anders hätte passieren können. So war ich die ganze Zeit über etwas distanziert, was mich letzten Endes dazu veranlasst hat, für die Geschichte selbst nicht mehr als vier Sterne zu vergeben.
Der fünfte Stern kommt hinzu für alles andere in diesem Buch und dafür, dass es überhaupt geschrieben wurde, denn es ist wichtig - mehr als das!
Ich habe die Charaktere in diesem Buch lieb gewonnen, zumindest manche von ihnen und zum Ende hin habe ich richtig mitgefiebert, als mir nach und nach klar wurde, dass niemals die ganze Truppe lebendig da rauskommen kann. Die Lage spitzte sich immer weiter zu, man hatte seine Lieblinge in der Geschichte, um die man sich sorgte und für die man sich ein gutes Ende wünschte, und es war einem klar, dass es nicht jeder bekäme.
Doch der fünfte Stern gehört größtenteils dann doch noch dem Nachwort. Das Nachwort der Autorin hat mich sehr berührt und hat noch einmal aufgeführt, dass es das Schiff, um das es hier geht, tatsächlich gegeben hat, dass dieser fiktive Roman eine wahre Begebenheit hat und dieses Unglück das schlimmste Schiffsunglück der Geschichte darstellt und trotzdem kennt das Schiff kaum einer. Das allein ist traurig genug und Grund genug, dieses Buch zu schreiben. Für uns alle somit Grund genug, dieses Buch zu lesen und zu würdigen.
Ich würdige die Thematik dieses Buches und die Menschen, die auf der Wilhelm Gustloff ihr Leben ließen. Vor allem die über 5000 Kinder.